Jahresrückblick 2020: Mein Weg zu Kerstin 2.0!

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20. Dezember 2020

Erstmal vorab: Dies ist mein allererster Jahresrückblick. Und nicht nur das: es ist auch mein allererster Blog-Artikel. Der erste, aber ganz bestimmt nicht der letzte. 

2020 war für mich ein ganz schöner Ritt. Wenn ich zurückblicke, wo ich vor ziemlich genau einem Jahr stand … und wo ich heute stehe, dann ist das für mich ehrlich gesagt immer noch unfassbar. Und deswegen fühlt es sich absolut richtig an, all das nicht nur für mich aufzuschreiben, sondern damit ein Stück weit auch nach außen aufzumachen und laut lesbar, hörbar und sichtbar zu sagen: Hallo. Hier bin ich. DAS bin ich!

Wenn du magst, begleite mich durch:

01. Totale Erschöpfung.

Krankgeschrieben. Groggy. Ausgelaugt. Und mit einem wirklich komplett leeren Akku. So bin ich ins Jahr 2020 hineingegangen: in totaler Erschöpfung. Mein letzter Job in Festanstellung in einer Management-Position einer großen Werbeagentur in Berlin-Mitte hatte mich so ausgelaugt, dass meine Hausärztin mich Mitte Dezember 2019 mit Erschöpfung rausgenommen hatte. Und da saß ich nun. Kaputt, …und eigentlich auch bereits mit dem Wissen, so nicht mehr arbeiten zu wollen. Gleichzeitig aber auch mit großer Angst davor, eine aktive Entscheidung zu treffen, OHNE bereits zu wissen, wohin mein Weg gehen kann. 

Als Getrennt-Erziehende, die letztendlich in Teilzeit das Geld für Zwei erwirtschaften muss, war es nicht so, dass ich mit Leichtigkeit einfach einen gut bezahlten Job hinschmeißen wollte. Die äußeren Parameter stimmten ja letztlich. Nur… im Innen … da hat einfach überhaupt nichts mehr gestimmt. 

Was für ein Glück! 

Aber manchmal muss man gar nicht selbst entscheiden – zum Glück! Die Entscheidung wurde mir abgenommen. Kaum war ich wieder „gesund“ zurück im Job, dauerte es nicht lange, bis ich die Kündigung in der Hand hatte. Im ersten Moment war es ein Schock, aber die ganze Situation, die Gespräche rund um diesen Kontext, waren so absurd, dass ich ziemlich schnell das Gefühl hatte, etwas Besseres könne mir gar nicht passieren. Ich war erleichtert, all das hinter mir zu lassen und einen neuen Schritt machen zu können. Wenn ich auch noch überhaupt keine Ahnung hatte, wo mich dieser Schritt hinführen könnte. Aber es war gut so wie es war, denn ich konnte ohne Druck für einen Moment loslassen. Ich war freigestellt. Hatte noch einige Monate ein volles Gehalt. Und wusste, das ich mich jetzt erst einmal um mich kümmern und meinen Akku wieder aufladen konnte. 

02. Ein Ende ist immer auch ein Anfang.

Da saß ich also. Nicht mehr krankgeschrieben, aber ganz offiziell zu Hause. Mit einem angestrengten Blick auf das, was hinter mir lag. Und zum ersten Mal seit etwa 15 Jahren mit dem Gefühl, diesen Break nutzen zu können, um mich neu zu orientieren. Zu schauen, wo es für mich hingehen könnte. Vor dieser Festanstellung war ich 14 Jahre lang selbständig und hätte keine finanzielle Absicherung gehabt, die meinen Sohn und mich über mehrere Monate getragen hätte. Also war ich ständig „getrieben“, regelmäßig Rechnungen schreiben zu müssen. Vielleicht habe ich mich dahinter auch etwas versteckt, um mich mit der Unzufriedenheit, die mich eigentlich schon lange umgab nicht auseinander setzen zu müssen. Denn was wäre dann gewesen? Ich hätte etwas entscheiden und mutig sein müssen, um etwas zu ändern.

Wenn die Stimme aus dem Innen immer lauter wird… 

Eigentlich wusste ich schon seit einer ganzen Weile, dass ich den Job als Beraterin in der Werbung nicht mehr gerne mache. Weder festangestellt noch als Freelancer. Dass kein Feuer mehr in mir lodert und ich keinerlei Leidenschaft mehr empfinde für das, was ich da tue. Ich liebe Markenarbeit und Kommunikation, die einen zu einem Ziel bringt. Nicht aber für Produkte, mit denen ich mich nicht identifizieren kann und nicht mit Kunden, die mir in all ihren Facetten eher schlechte als gute Laune im Alltag bereiten. Ich habe in all dem Alltagstrott für mich nur nie die Möglichkeit gesehen, noch einmal mit etwas Neuem, … mit etwas, wofür ich brenne, komplett neu anzufangen. Ich hatte viel zu viel Angst und Respekt davor, nicht  schnell genug ausreichend Geld zu verdienen. Wie sollte ich das denn schaffen? Etwas Neues aufzubauen und gleichzeitig für meinen Sohn und mich den Lebensstandard zumindest annähernd zu halten? Ohne Netz und doppelten Boden. Vor einem solchen Schritt ins Ungewisse war meine Angst viel zu groß!

Dankbar, zum Ersten!

Von daher war dieser Moment Ende Januar, als ich mit der Kündigung zu Hause saß, für mich wie ein großer Befreiungsschlag. Es hat sich komplett richtig angefühlt und ich war … zum ersten Mal von noch vielen folgenden Malen in diesem Jahr … sehr dankbar. Dankbar für das Geschenk, das mir mein Arbeitgeber mit dieser Kündigung gemacht hat. Das Geschenk, mich in eine Position zu versetzen, aus der heraus ich endlich durchatmen und mich neu orientieren konnte.  

03. Reflektion.

Diese ersten Monate waren für mich wie ein Aufblühen im Innen und Außen. Es war passend, dass diese Zeit in den Frühling fiel und damit in die Zeit, in der wieder alles heller wird und zu blühen anfängt. Ich habe mir Zeit genommen, tief ein- und auszuatmen und hatte zum ersten Mal seit langem das Gefühl, nicht überstürzt ins „nächste Irgendwas“ rennen zu müssen.  

Ein Findungsprozess braucht Zeit.

Es geht nicht immer alles „schnell schnell“! Ein guter Freund von mir, der beruflich selbst sehr getrieben ist, hat zwischendurch immer wieder gefragt, was ich denn nun machen, was meine nächsten Schritte sein werden, wie es denn weiterginge, wann ich anfangen würde, mich neu zu bewerben, … ich solle mir bloss nicht zu lange Zeit lassen, … Diese Fragen haben mir nur noch mehr verdeutlicht, wie wichtig es in dem Moment für mich war, aus dem Hamsterrad komplett auszusteigen und die Pause-Taste zu drücken. Er konnte nicht nachvollziehen und verstehen, dass ich mir ganz bewusst diese Auszeit nehme und wie notwendig sie für meinen „Genesungs- und Findungsprozess“ ist. Dass es Abstand braucht, um erkennen zu können, wo es hingehen kann und wird. Ich habe mich zum ersten Mal gut dabei gefühlt, mich nicht drängeln zu lassen. Sondern mir Zeit zu nehmen. Was für eine wunderbare Erfahrung!

Die Monate Februar, März und auch April hatten eine Langsamkeit und Entschleunigung, die ich von mir kaum kenne. Sie waren so notwendig! Nur so konnte ich das Fundament legen, um meinen Akku wieder aufzuladen und mit Kraft und Mut alles, was vor mir liegen würde, anzugehen.

Und dann kam Corona.
Und damit ganz viel… 

04. Zeit für meinen Sohn und mich.

Der 8. Geburtstag meines Sohnes fiel genau in die Zeit der ersten Schließungen wegen Corona. Eigentlich sollte seine Geburtstagsfeier an einem Sonntag in einer Fussballhalle stattfinden. Zwei Tage vorher wurden überstürzt Entscheidungen getroffen und unter anderem sämtliche Sportstätten geschlossen, so dass wir umdisponieren mussten. Wir haben kurzerhand auf einem Fussballplatz im Park, bei noch recht frischen Temperaturen gespielt. Zum Glück hat keiner seiner Freunde abgesagt. Es war ein total schöner Geburtstag und die Kinder fanden es toll. Es war die letzte Zusammenkunft mit seinen Freunden für die kommenden Monate, denn bereits am Montag ging er nicht mehr in die Schule. 

#wirbleibenzuhause und ausgiebige Radtouren durch den Wald.

Abgesehen von fehlenden Freunden waren die folgenden Wochen für uns eine fast unbeschwerte Zeit. Das mag komisch klingen und vielleicht auch nicht wirklich angemessen vor dem Hintergrund dessen, warum wir zu Hause waren, aber wir haben für uns das Beste daraus gemacht  und die gemeinsame Zeit einfach sehr genossen. Wir haben einen Regenbogen und #wirbleibenzuhause auf sein Kinderzimmerfenster gemalt, die ersten Sonnenstrahlen genutzt und seine Schulaufgaben auf den breiten Fensterbänken der Orangerie im Park SansSouci gemacht. 

Dankbar, zum Zweiten! 

Ich war froh und dankbar dafür, endlich wieder wirklich aktiv Zeit mit meinem Sohn zu verbringen. Es hat uns beiden unfassbar gut getan und ich habe in diesen Wochen begriffen, wie blöd es auch für ihn war, dass ich im Jahr zuvor immer vollkommen abgehetzt erst gegen halb fünf in den Hort kam, um ihn abzuholen. Und dass auch er einfach ein Riesenbedürfnis nach Zeit mit mir hatte. Ohne große Aktionen. Einfach nur ZEIT! Es hat mich geschmerzt, zu begreifen, was mein vieles Arbeiten auch in dieser Hinsicht verursacht hatte – umso schöner jetzt zu erleben, wie wichtig ihm war, dass ich einfach da, einfach mit ihm zusammen war. 

05. Reset.

Ganz klar artikulieren zu können, was ich definitiv NICHT mehr will und machen werde – das war ein wertvoller erster Schritt für all das, was in den kommenden Monaten vor mir liegen würde! Tägliches Journaling, eine 40-tägige Kriya, Meditation – und vor allem Klarheit darüber, mit Unterstützung an meiner Seite herausfinden zu wollen, was meine beruflichen nächsten Schritte sein werden  … und ganz viel Zeit, um mich wirklich einmal intensiv um mich zu kümmern – davon waren für mich die ersten Monate der Corona-Zeit geprägt. Obwohl es finanziell eng war, habe ich mich so frei gefühlt, wie ewig nicht. Ich habe die Chance gesehen, mich noch einmal komplett neu auszurichten. Die Grundversorgung war abgedeckt, darüber hinaus brauchte ich nichts. Außer wachsender Klarheit für „Kerstin 2.0“. 

Auf dem Weg zu Kerstin 2.0.

Initialzündung für den Prozess, der dann kam – und der mich dahin gebracht hat, wo ich heute stehe! – war meine Freundin Anna Rischke, die zu genau diesem Zeitpunkt ein Group-Coaching gestartet hat, das inhaltlich nicht besser hätte passen können. Und weil ich Anna schon lange kannte und um ihre Qualitäten als Impulsgeberin und Coach wusste, habe ich nicht lange gebraucht, mich dafür zu entscheiden, dass sie eine für mich ganz wesentliche Person sein sollte, um mich durch diesen Wachstumsprozess zu begleiten.

Weil ich darüber hinaus aber auch gespürt hatte, dass einiges von dem, was aus der Balance geraten war, nicht nur mit den rein beruflichen Aspekten zu tun hatte, sondern wahrscheinlich schon tief in meiner familiären Sozialisation verankert war, habe ich beschlossen, eine Familienaufstellung zu machen. Ich war in jüngerer Vergangenheit immer wieder über dieselben Hürden gestolpert. Und mir war klar, dass ich diesen Knoten nur lösen können würde, wenn ich noch einen Schritt tiefer gehen und mir Strukturen und Verstrickungen aus meiner familiären Geschichte anschauen würde. Was für ein intensives und erhellendes Erlebnis! Aufwühlend, schmerzhaft und gleichzeitig befreiend, weil ich Dinge begreifen konnte, die ich vorher nicht verstanden hatte und ich loslassen konnte an Stellen, die mit mir gar nichts zu tun hatten, … sondern in der familiären Historie lagen, mich in meinem Dasein aber belegt haben. 

Es war die beste Entscheidung, die ich bis dahin treffen sollte, mich meinem Thema – MIR! – von diesen beiden Seiten zu nähern. 

Kein Ballast mehr!

Genau in dieser Zeit ist die Festplatte meines Rechner gecrasht. Komplett. Hinüber, kaputt, irreparabel. Das letzte Backup war 6 Wochen her. Der Verlust an Daten zu diesem Zeitpunkt war zu verkraften – schmerzhafter waren die 1.000 €, die für die Reparatur notwendig waren… in einer Zeit, in der das Geld mehr als knapp war. Nach dem ersten Schock konnte ich es als Chance begreifen, mein Macbook nicht wieder aus dem trillionsten Time-Machine Backup aufzusetzen, sondern diesmal auch hier auf Null zu setzen und wirklich nur noch die Daten manuell auf meinen Rechner zu spielen, die ich wirklich brauche. Keine uralten Arbeitsdateien mehr, die ich immer noch mit mir herumgeschleppt habe, obwohl sie doch mit mir eigentlich gar nichts mehr zu tun hatten. Keine alten Briefe und Fotos mehr von/mit Menschen, die keine wesentliche Rolle mehr in meinem Leben spielten. Es hat ausgereicht, das alles auf externen Festplatten zu wissen. Ich wollte keine „alten Lasten“ mehr in so greifbarer Nähe haben.

Dankbar, zum Dritten!

Ich habe komplett den Reset-Button gedrückt und mich neu ausgerichtet. Im Innen und Außen. Was für eine Befreiung! 

06. Vertrauen.

Vertrauen. Einer von 5 Kernwerten, die ich für mich definiert habe. Dieser Wert war mir schon immer wichtig. In meiner Wahrnehmung aber immer stärker davon geprägt, den Menschen in meinem Umfeld vertrauen können zu wollen und einer Angst davor, hintergangen zu werden. 

Viel essentieller als das Vertrauen in andere sollte doch aber eigentlich das Vertrauen in mich selbst sein, oder? Davon war aus irgendeinem Grund schon seit einer Weile nicht mehr viel übrig. Ich habe gar nicht mehr wirklich an mich geglaubt. Daran geglaubt, dass ich in bestimmten Dingen wirklich gut bin. Ein Talent habe oder vielleicht sogar etwas besser kann als andere. Nur habe ich gar nicht so gemerkt, das mein Vertrauen in mich selbst mehr und mehr verschwunden ist … 

Weckruf! 

Im Coaching mit Anna ist mein Vertrauen zu mir zurück gekommen. Ich habe keine Ahnung, wo sie es wiedergefunden und wie sie das gemacht hat, es von ganz tief unten wieder hervor zu buddeln. Aber es kam zurück! Und das hat sich unglaublich gut angefühlt! Ich hatte bereits am ersten Abend, als wir ein Visionboard erstellt haben, ganz groß aus einer Zeitschrift den Satz „Vertrau dir selbst!“ ausgerissen und prominent aufgeklebt. Ohne zu dem Zeitpunkt zu wissen, dass das mein Fokus-Wert sein würde, den ich mir für die kommenden 10 Wochen des Programms „vorknüpfen“ würde. Als ich ausgesprochen hatte, dass dies mein Leitwert sein würde, war ich noch unsicher, ob ich „mein Versprechen“ vor mir selbst und den anderen im Kurs einhalten können würde – es ging leichter als ich gedacht hätte. 

Ich habe mich daran erinnert, dass ich während meines Studiums Mitte der 90er Jahre mit 12 Bewerbungsmappen unter dem Arm nach New York geflogen bin und in die großen Werbeagenturen rund um die Madison Avenue marschiert bin, um mich dort für ein 6-monatiges Praktikum zu bewerben. Ohne Vitamin B, ohne irgend jemanden zu kennen und ohne Termine. Die Kerstin von damals, Studentin aus Berlin, ist einfach in die großen Marmorhallen marschiert und hat sich getraut. Ich bin nach zwei Wochen mit mehr als einer Zusage nach Hause geflogen und ein Jahr später wieder zurück für mein Praktikum. Für meinen Traum, in einer Werbeagentur in New York zu arbeiten! 

Ich habe an mich geglaubt zu der Zeit – und daran, dass ich alles schaffen kann, was ich wirklich will!

„…If I can make it there
I’ll make it anywhere
It’s up to you
New York, New York…“

Dankbar, zum Vierten!

All das war im Sommer wieder so präsent für mich und hat mich meinen Glauben an und mein Vertrauen in mich wiederfinden lassen. 

07. Metamorphose.

Was in diesen Wochen im Sommer passiert ist, war unglaublich und vielleicht kann ich es in seiner ganzen Dimension noch gar nicht richtig begreifen. Ich bin gespannt, wie ich in einem Jahr darauf zurückschauen werde, was für große Schritte ich zu mir selbst gegangen bin. 

Ungefähr in der vierten Woche von Annas Programm, Mitte Juni, habe ich zum ersten Mal laut ausgesprochen, dass ich mich – endlich! – trauen werde, mich als Fotografin selbständig zu machen. Dass ich aber noch nicht genau wüsste, wer denn meine Zielgruppe sein würde. Immerhin: ich habe es laut gesagt vor anderen – und damit eine Empfindung, die in mir immer lauter wurde, manifestiert. Bei meinem Einstieg ins Coaching hatte ich absolut keine Ahnung, wo es beruflich für mich hingehen könnte – mache ich mich wieder selbständig oder gehe ich doch wieder in eine Festanstellung…?  Ich wusste es nicht. Ich hatte auch keinen Plan, was es inhaltlich sein würde – wusste nur, dass ich nicht mehr in eine Werbeagentur gehen würde. 

Und dann habe ich diesen einen, so wichtigen Satz, nach vier Wochen mit ziemlicher Kraft ausgesprochen: „Ich traue mich und mache mich als Fotografin selbständig. Aber ich habe noch keine Ahnung, wer meine Zielgruppe sein wird.“ 

Das war in unserem Gruppen-Call am Donnerstagabend.

Am darauf folgenden Wochenende kam alles andere wie von selbst zu mir. So klar. So greifbar. So, wie ich es noch nie vorher für mich sehen konnte. Obwohl es ganz sicher schon immer da war! Es war in dem Moment, als ob ich einen großen, dunkelroten Samtvorhang aufziehen würde. Dahinter lag eine trockene Wüstenfläche in gleißendem Sonnenlicht, auf der ein überdimensional großer Geschenk-Karton stand – mit einer roten Schleife, die nur darauf wartete, dass ich sie aufziehen würde: Ich würde mich als Personal Branding Fotografin mit dem Fokus auf Unternehmerinnen selbständig machen!

08. Klarheit! 

Es war auf einmal glasklar für mich! 
Ich bin jemand, der gerne Menschen fotografiert, aber nicht mit großem Equipment und in einem Studio-Setting, sondern so natürlich und so unsichtbar wie möglich. Ich mag die Ergebnisse am liebsten, bei denen die Protagonisten gar nicht wahrnehmen, dass ich sie gerade fotografiere. Nicht das Gefühl haben, jetzt für die Kamera besonders posieren zu müssen. Sondern einfach entspannt sind. Weil die Situation entspannt ist und sie so sein dürfen, wie sie sind. Ich erzähle Geschichten mit Bildern. Und hole dabei das Beste aus Situation und Mensch heraus.

Bis dahin hatte ich immer gedacht, dass ich mich entscheiden müsste zwischen der Fotografie und der Werbung: Die Fotografie war das, was ich schon immer geliebt habe. Werbung war das, was ich studiert und von der Pike auf gelernt hatte. Und inzwischen hatte ich ein gutes Vierteljahrhundert an Branding-Erfahrung im Gepäck. Ich dachte bis dahin immer, wenn ich als Fotografin arbeiten würde, dann würde ich die Markenarbeit hinter mir lassen. Aber all das Wissen würde ich doch nicht einfach wegwerfen können!

Doch Moment: Warum sollte ich es denn wegwerfen ??? 
Beides zu verbinden kam mir bis dahin nie in den Sinn. Aber gerade in der Verbindung beider Bereiche liegt so viel Kraft und das wurde mir auf einmal total klar!

Zusammenhänge erkennen. 

Beide Bereiche – meine gesammelte Branding-Expertise UND meine visuelle Kraft – miteinander zu verbinden erschien mir auf einmal so logisch. Ich war fast überrascht, dass ich das vorher nie gesehen hatte. 

Im nächsten Schritt Unternehmerinnen als meine Zielgruppe zu formulieren, folgte für mich ebenfalls fast automatisch – dabei half mir ein Blick auf meine eigene Geschichte. Ich selbst hatte eigentlich schon immer den Drang, absolut selbstbestimmt zu agieren, unabhängig sein zu wollen – und ich fühlte mich endlich auch mehr denn je als Unternehmerin.

Trotzdem hatte ich immer noch das Gefühl, irgendetwas in meiner eigenen Historie würde mich zurückhalten. Irgendetwas war noch, was den letzten Rest an Klarheit etwas vernebelt hat.

Der Wunsch nach Selbstbestimmtheit war schon immer da – warum hatte ich diesen Weg als Unternehmerin also nicht längst beschritten? Aus irgendeinem Grund war die Handbremse hochgezogen. Denn so sehr mir Selbstbestimmtheit wichtig war, so sehr haben mich immer auch Ängste zurück gehalten. Meist existentielle Ängste, die für mich fast wie eine Bedrohung waren. Sie haben mich jahrzehntelang davon abgehalten, wirklich mutig einen mir unbekannten (und unsicheren) Weg zu beschreiten und meiner eigentlichen Leidenschaft, der Fotografie, zu folgen. 

Ich habe lange nicht verstanden, was mich aufgehalten hat. Weil ich nie genau hingeschaut habe.

Die Handbremse lösen.

Durch die Familienaufstellung und Dialoge mit meiner Mutter wurde mir klar, das die Ursachen dafür gar nicht bei mir direkt, sondern bereits in der Generation meiner Eltern und sogar Großeltern verankert waren. Insbesondere Aspekte aus der Familie meiner Mutter, die ich in diesem Kontext neu erfahren und betrachtet habe, haben einiges für mich aufgelöst: Die Eltern meiner Mutter waren Landwirte und sind während der Bodenreform um 1952 geflüchtet, mussten alles hinter sich lassen, ihren Grund und Boden, ihre Arbeit … und sich alles komplett neu aufbauen. Das war emotional und auch existentiell nicht einfach. Gleichzeitig haben meine Großeltern für meine Mutter, die ein Nachzügler-Kind war, immer gewollt, dass sie eine „höhere Bildung“ erfahren kann und wollten ihr ein „besseres Leben“ ermöglichen. Und obwohl ich bei meiner Mutter später sehen konnte, wie viel sie geschafft hat, weil SIE es wollte – sie hat ihr Abitur erst an der Abendschule gemacht, als ich schon auf der Welt war… und wurde irgendwann selbst Unternehmerin, … habe ich bestimmte Schritte für mich nicht für möglich gehalten. 

Weit nach vorne gesprungen in meiner eigenen Entwicklung war ich die erste in meiner Familie, die studiert hat. Das haben meine Eltern mir ermöglicht und so toll ich das fand, so sehr war es auch mit einer unsichtbaren Last verbunden – auch, wenn ich das lange nicht begriffen habe. Wahrscheinlich bis zu diesem Sommer nicht. Denn als ich gegen Ende meines Studiums die Leidenschaft für die Fotografie entdeckt und aus Fotolaboren zu hören bekommen habe, dass ich Talent habe und daraus etwas machen sollte, habe ich mich nicht getraut, noch einmal neu zu denken und diesen Schritt zu gehen. Aus dem Gefühl heraus, meinen Eltern, die mich so lange durch ein Studium finanziert haben, das „doch nicht antun” zu können. Meine Eltern haben mir mit viel Kraft einen Weg geebnet und es hätte sich für mich falsch angefühlt, den an dieser Stelle nicht zu Ende zu gehen. Oder vom ursprünglichen Ziel abzuweichen. 

Mein Inneres hat nach „Mehr“ gerufen!

Selbstbestimmtheit ist übrigens der zweite meiner fünf Kernwerte, die ich im Rahmen des Coachings von Anna für mich erarbeitet habe. Dazu kommen Klarheit, Kreativität und Gelassenheit. Diese Klarheit wollte ich endlich auch in den grundlegenden Fragen meines Lebens erhalten. 

Der Wunsch, selbstbestimmt zu arbeiten und unabhängig zu sein (Unternehmertum im weitesten Sinne?) war in mir. Gleichzeitig aber eben auch eine existentielle Angst, die über meine Eltern- und Großelterngeneration tief und im Unterbewussten in mir verankert ist – ich habe ja durchaus auch „Kämpfe“ meiner Eltern in ihrem eigenen Unternehmertum gesehen. In diesem Spannungsfeld zwischen existenzieller Angst und dem Wunsch nach Selbstbestimmtheit habe ich mich zerrissen gefühlt, konnte es aber bis dahin nie auflösen.
Heute kann ich mit einem anderem Blick auf all das schauen: Es ist okay, dass diese Ängste da sind, denn sie geben mir Bodenhaftung und lassen mich nicht ungestüm einem Traum folgen. Aber jetzt, wo ich weiß, wo sie ihren Ursprung haben, lasse ich mich von ihnen nicht mehr zurückhalten. Sie dürfen da sein. Aber sie werden mich nicht aufhalten!

Das ist kompakt zusammen gefasst und ich glaube, da verbirgt sich noch viel mehr – ich werde mit Sicherheit noch einmal tiefer schauen. Für diesen Sommer war all das aber schon eine unglaubliche Erkenntnis für mich, durch die ich uralte Knoten endlich für mich auflösen konnte. Es hat mir einen Weg eröffnet zu meinem Warum und auch zu den Menschen, mit denen ich arbeiten möchte.

Mein Warum war auf einmal ganz klar. 

Ich hatte im Sommer das Gefühl, diese Puzzle-Teile erkennen und zusammenfügen zu können. 

Mein Talent, Geschichten über Bilder zu transportieren und dabei Menschen wirklich zu sehen, möchte ich fokussiert für Unternehmerinnen einsetzen, die sich trauen, mutige Wege zu gehen. Die sich nicht oder nicht mehr verstecken wollen hinter Ängsten und Unsicherheiten. In diesem „inneren Aufrichten“ steckt für mich eine unglaubliche Kraft und die möchte ich mit meinen Bildern transportieren. Ich möchte mit spannenden Unternehmerinnen gemeinsam erarbeiten, wofür sie stehen, was sie ausmacht und ihre Geschichte über Bilder transportieren – das ist, was sich bei einem Blick auf meine eigene Geschichte für mich stimmig anfühlt. 

Es wurde auf einmal so klar für mich, dass da etwas war, das ich nicht nur gut kann, sondern dass dies auch etwas ist, wofür ich unfassbar brenne und eine Leidenschaft verspüre. 

09. Neustart.

Jetzt, wo all das, was mich so viele Jahre gebremst hat, offen vor mir lag, hatte ich das Gefühl, es könnte mich nichts mehr aufhalten. Es war, als ob jemand eine Rakete gezündet hätte. Ich hatte sehr schnell eine klare Vision und ein erstes, grobes Business-Konzept im Kopf. Habe die ersten Testimonial-Shootings organisiert und mir Gedanken darüber gemacht, dass es smart wäre, neben einer reinen „Offline-Säule“ als Fotografin auch eine „Online-Säule“ aufzubauen. Um mein Business auch in Pandemie-Zeiten tragfähig zu machen und natürlich auch, um es mittelfristig skalierbar zu machen. Vom Online-Business hatte ich überhaupt KEINE Ahnung, hatte aber immerhin über meinen Coach Anna schon von Sigrun , der führenden Business-Mentorin für Female Online Entrepreneurs in Europa gehört.

Ich weiß noch, dass ich am Montag in der vorletzten Juni-Woche ein Testimonial-Shooting mit Claudine, die mit mir in Annas Coaching war, gemacht habe und ihr davon erzählt hatte, dass ich mein Business auch online tragfähig machen möchte. Und dass ich am Überlegen sei, ob ich jetzt in Sigruns Programm SOMBA investieren sollte … oder vielleicht doch erst einmal die Offline-Säule aufbauen, eine Weiterbildung zum Social Media Manager machen und etwas Geld verdienen sollte, bevor ich erneut einen hohen Betrag ausgebe. Am Mittwoch derselben Woche gab es abends ein Live von Sigrun, das ich nicht anschauen konnte, weil mein Vater zu Besuch war. Ich habe mir die Aufzeichnung beim Schlafengehen mit dem Handy unterm Kopfkissen angehört. Vor dem Einschlafen habe ich noch wahrgenommen, dass sie sagte, sie wisse nicht genau, wann sie SOMBA mit Kickstart das nächste Mal anbieten würde, aber in jedem Fall würde das Programm preislich von knapp 3.000 auf 5.000 $ steigen. Uff!!

Mein Inneres hatte doch ohnehin längst entschieden… worauf wollte ich also warten? Am kommenden Morgen, am Donnerstag, den 25. Juni habe ich mich für SOMBA angemeldet und dafür auf finanzielle Reserven zurückgegriffen. Bereits am 26. Juni ging es los – noch während das Coaching mit Anna lief. 4 Wochen später habe ich meinen ersten Online-Kurs gestartet. 

10. Aufbruchsstimmung.

Irre, was das für Monate waren! Wenige Wochen zuvor hatte ich noch absolut keine Ahnung, wo meine berufliche Reise hingehen könnte und nun steckte ich mitten in der Entwicklung meines neuen Business als Personal Branding Fotografin.
Als Marken-Mensch sind mir Themen wie Zielgruppe, Positionierung, etc. zwar klar, aber ausgearbeitet werden mussten sie ja trotzdem. Und ich wollte dieses Business von Anfang an auf einem soliden Fundament aufbauen. Das hieß für mich,  wenigstens ein paar Testimonial-Shootings zu machen, um aktuelle Arbeiten zeigen zu können. All meine anderen fotografischen Arbeiten waren älter und hatten mit dieser spezifischen Ausrichtung nichts zu tun. Und schneller als ich gucken konnte, steckte ich im SOMBA-Programm auf einmal tief, tief, tief in der Arbeit, meinen ersten Online-Kurs zu konzipieren, zu promoten, die ganze Technik, von der ich bis dato NULL Ahnung hatte, zu lernen und den Kurs dann durchzuführen. Parallel habe ich Shootings geplant und durchgeführt, eine WordPress-Schulung gemacht und danach die Weiterbildung zum Social Media Manager angefangen. Und das irgendwie alles in Teilzeit, denn mein Sohn war ja auch noch da. Immerhin konnte er im August endlich wieder in die Schule gehen.

Während ich das gerade aufschreibe, merke ich, dass meine Finger schneller über die Tastatur fliegen als bei den Abschnitten davor, … dass ich also irgendwie fast automatisch das Tempo erhöhe. Die geschriebenen Worte machen mir noch einmal viel deutlicher klar, WAS ich in diesen Monaten alles umgesetzt habe. Und mit welcher Pace ich durch die Sommer-Monate geflogen bin. 

Ich habe es geliebt! Jeden einzelnen der Schritte. 

Wenige Wochen zuvor hatte ich keine Ahnung, was ein Launch, Upsell oder Hot-Seat ist und worum es in einem Celebration-Call geht, … und nun war ich mittendrin. Die Community  habe ich darüber hinaus als unglaublichen Treiber empfunden und fand es grandios, was für eine Power man entwickeln kann, wenn man mit Gleichgesinnten parallel ganz ähnliche Wege beschreitet. Ich habe hierüber im letzten halben Jahr so viele tolle Frauen kennengelernt, mit denen ich in einem aktiven Austausch bin – allein das empfinde ich als unbezahlbar!  Und ich habe meinen Kurs und die Teilnehmer geliebt! 

Mit dieser Kombination, fotografieren zu können und weiterhin an starker Marken-Kommunikation zu arbeiten, mit meiner eigenen Zeiteinteilung und von zu Hause aus – und in konstantem Austausch mit inspirierenden Gleichgesinnten – habe ich endlich das gefunden, wonach ich so lange gesucht hatte. 

Dieser Sommer hat mir unfassbar viel Spaß gemacht. Und ich war seit langem endlich wieder glücklich! 

11. Glücklich.

Ich bin glücklich! Für mich hätte das Jahr 2020 nicht besser sein können. Trotz… vielleicht auch gerade wegen der Pandemie. Mir sind all die Schicksale bewusst und ich möchte keinesfalls despektierlich klingen, wenn ich mein ganz persönliches, kleines Glück so zelebriere. Aber ich habe mich dafür entschieden, auf die Dinge zu schauen, die positiv sind. Und davon gibt es immer welche. Alles hat mindestens zwei Seiten. 

Ich hätte ohne die Pandemie mit ziemlicher Sicherheit nicht darüber nachgedacht, mir ein Online-Business aufzubauen. Das Finden und Entwickeln dieses Business-Konzeptes ist für mich ein unglaublich großes Geschenk. Auch, wenn ich aktuell vielleicht sogar mehr arbeite, als in den Monaten, bevor ich bei meinem letzten Arbeitgeber in die Erschöpfung gerannt bin, fühlt es sich um ein Vielfaches besser an. Mein Sohn sieht mich zwar auch am Nachmittag arbeiten und kennt inzwischen schon viele Gesichter derjenigen, mit denen ich Zoom-Calls habe und rollt fast allwissend mit den Augen, wenn ich „mal wieder ein Webinar“ habe, aber ich hole ihn trotzdem oft schon gegen 15:00 Uhr im Hort ab –und komme nicht erst abgehetzt um halb fünf. 

Dankbar, zum Fünften!

Wir gehen morgens zu Fuss zur Schule und diese Viertelstunde ist für mich fast der schönste Augenblick des Tages, den ich so sehr genieße. Kein Handy. Keine Hektik. Nur er und ich. Zu Fuss. Danach spaziere ich entspannt nach Hause, manchmal mache ich einen Schlenker durch den Park… in der Regel sitze ich aber bereits um 8:00 Uhr mit dem ersten Latte Macchiato am Rechner und starte meinen Arbeitstag. Früher habe ich in Hektik meinen Sohn und mich fertig gemacht, seine Brotbox und mein Frühstück/Lunch zusammengepackt, bin mit ihm ins Auto gesprungen, zur Schule gehetzt, von dort aus durch zähflüssigen Verkehr weiter zum S-Bahnhof, um dort in eine Regionalbahn zu springen und dann mit Umsteigen nach Berlin-Mitte zu hetzen. Wenn ich dort um 9:00 Uhr am Schreibtisch saß, war ich vollkommen abgehetzt und Körper und Kopf schon auf einem hohen Streßpegel. 

Ich möchte nichts von dem, was jetzt da ist, wieder eintauschen. Es fühlt sich so richtig an. Ich genieße all das, was ich gewonnen habe: Eine Riesenchance durch die Kündigung. Mehr Zeit. Mehr Gelassenheit. Den Mut, endlich meiner Leidenschaft zu folgen. Die Erkenntnis, dass ich etwas wirklich gut kann. Vertrauen zu mir. Und einen freien Kopf, um auch die kleinen Dinge wieder wahrzunehmen. 

All das ist großes Glück für mich!

12. Epilog. Oder Reset zum Zweiten. 

Ein neues Glück zu finden … durch eine neue Tür zu gehen, … das geht nur, wenn man eine Tür hinter sich schließt. Und man sich verabschiedet von alten Dingen. Weil Abschied aber meist auch mit Schmerz verbunden ist, habe ich am letzten Wochenende noch einmal eine ordentliche „Keule“ Abschiedsschmerz zu spüren bekommen. Mein Handy war morgens der Meinung, dass es voll ist und ist einfach ausgestiegen. Zack-Bumm-Weg. Keine Chance, schnell noch Daten oder Apps zu löschen – es ging einfach aus. Neustart unmöglich. 

Eigentlich war der Tag dafür reserviert, mein erstes Freebie fertig zu machen und an diesem Jahresrückblick weiter zu schreiben. Verbracht habe ich ihn damit, zu versuchen, meine Daten zu retten. Ohne in die Details einzusteigen – es ging nicht! Auch nicht mit Hilfe des Apple-Supports, mit dem ich mehrfach telefoniert und am Abend bis ca. halb zehn gemeinsam an meinem Rechner versucht habe, wenigstens ein vorhandenes Backup wieder aufzuspielen. Nichts zu machen. Nach zweieinhalb Stunden Dauertelefonat … und wahrscheinlich bereits eines langen Feierabends dieses wirklich zauberhaften Mitarbeiters … haben wir aufgegeben. 

Und ich habe begriffen, dass damit viele, viele Daten von mir unwiderruflich weg sein würden. Irgendwann habe ich angefangen zu heulen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so geweint habe und es mich körperlich so ausgelaugt hat. Bis tief in die Nacht habe ich das iPhone neu aufgesetzt. Alle Apps neu geladen, alle Zugänge neu eingetragen, alles bei Null angefangen. Gegen 2:00 Uhr bin ich eingeschlafen. Nach 3 Stunden Schlaf wieder aufgewacht, der Kopf hat rotiert. Irgendwann habe ich begriffen, dass mir auch dieser Absturz – ähnlich wie die gecrashte Festplatte meines MacBooks im Sommer – etwas sagen wollte: Dieser Crash mit dem erzwungenen Abgeben von Daten wollte mir sagen, dass ich mich auch hier von Altlasten verabschieden soll. Denn auch das iPhone habe ich seit über 10 Jahren nie komplett neu aufgesetzt, sondern immer nur aus einem Backup aufgespielt. Mit allen alten und verkrusteten Daten und Apps, die ich doch überhaupt nicht mehr brauchte. Mit ganz viel Ballast. 

Ja, auch Bilder habe ich verloren. Alte Bilder, die in einer bestimmten App nur auf dem iPhone selbst waren und auch Bilder aus diesem Jahr von meinem Sohn und mir. Mir ist in dieser Nacht aber klar geworden, dass das nicht wichtig ist. Denn die Erinnerungen an unsere Erlebnisse sind da. Sie sind in mir. So, wie alle Fähigkeiten für meine neue berufliche Ausrichtung und auch mein Vertrauen zu mir, dass ich in diesem Sommer wiedergefunden habe, immer schon da waren. Nur eben verschüttet unter ganz viel Ballast, der das Wesentliche zugedeckt hat. 

Crash Boom Bang! 

Dieser Crash war ungefähr so, wie mein Zusammenbruch bei meiner Hausärztin, als sie mich im letzten Jahr mit Erschöpfung aus dem Job genommen hat: Die Festplatte war einfach komplett voll. Und ist gecrasht. Zack-Bumm. Auch da gab es keine Möglichkeit mehr, etwas zu reparieren. Sondern nur noch die Lösung eines kompletten Neustarts! 

Reset! 

Es fühlt sich gut an. Und leicht. Tatsächlich jetzt nach ein paar Tagen auch, dass mein Handy nicht mehr so viel Zeug hat. Auch das ist leicht. 

Es war ein außergewöhnliches, aufregendes, turbulentes und emotionales Jahr, das ich in einem irrsinnig tiefen Tal begonnen habe und aus dem ich mit großer Gelassenheit und Ruhe herausgehe. Ich bin auch heute groggy, weil ich merke, wieviel ich gearbeitet habe in den letzten Monaten. Aber es ist ein anderes Groggy-Sein als vor einem Jahr. Eines, bei dem ich stolz auf die Dinge blicke, die ich geschafft habe und weil ich weiß, warum ich etwas tue. Dieses WARUM war vor einem Jahr nicht da. 

Ich blicke mit viel Vorfreude auf all das, was 2021 auf mich wartet. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass es ein großartiges Jahr wird! Eines, in dem ich weiter wachsen – und vor allen Dingen noch weiter aufblühen werde! Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so an mich geglaubt habe. Mir vertraut habe. 

Kerstin 2.0
Ich freue mich auf 2021! 

24 Kommentare zu „Jahresrückblick 2020: Mein Weg zu Kerstin 2.0!“

    1. Liebe Antje, ich danke dir für dein Lesen und deine Zeilen! Du bist die erste Person, die ich nicht persönlich kenne, die darauf reagiert und das bedeutet mir viel. 🙏🏻💖

  1. Liebe Kerstin,

    was für ein wunderbarer Beitrag, was für eine Reise! Erhalte dir dieses Vertrauen in dich, es ist mehr als begründet 🙂

    Herzlichst, Ina

  2. Hallo Kerstin, dein Jahresrückblick hat mich voll in seinen Bann gezogen. Obwohl ich dich nicht kenne und nicht zu deiner Zielgruppe gehöre (keine Unternehmerin und weit weg von Berlin), denke ich mir „Oh, von Kerstin würde ich super gern fotografiert werden!“. Dabei finde ich Fotografiertwerden meist furchtbar. Toll, dass du angefangen hast zu bloggen!

    1. Liebe Veronika, was für wundervolle Worte – vielen Dank dafür!! 🙏🏻💖
      In und um Berlin braucht man gar nicht sein, um von mir fotografiert zu werden, denn es geht mir ja wirklich darum, die Menschen… Frauen… dort zu fotografieren, wo sie in ihrem Element sind und sich wohlfühlen. Denn das macht in den allermeisten Fällen nicht nur die Atmosphäre am entspanntesten, sondern gibt auch den meisten Raum, das sichtbar zu machen, was diejenige Person wirklich ausmacht. Meist sind es kleine Dinge, die zum Alltag und zum regulären Setting gehören, die am Ende visuell den Unterschied machen.
      Auch, wenn du nicht zu meiner “primären Zielgruppe” gehörst, kannst du dich jederzeit von mir fotografieren lassen, falls du mal ein Shooting für dich planst. Meine “alte Schule” in der Werbung hat mich einfach gelehrt, dass es Sinn macht, sich sowohl mit der Kommunikationsbotschaft als auch mit der Zielgruppe zu fokussieren und möglichst klar zu sein. Sonst ist es schnell ein breiter Bauchladen, von dem sich niemand angesprochen fühlt, weil niemand den Anker findet, den er greifen kann. Das heißt ja aber nicht, das nicht auch andere Menschen sagen können “das finde ich toll und möchte lieber diese Marke als eine andere kaufen”.
      Deine Website hab ich gerade aus Neugierde schon aufgemacht und werde mich nachher durch deinen Jahresrückblick lesen, wenn die süßen Spätzle mit Apfelmus vertilgt sind. ☺️

      1. Ich steh mit meiner Seite noch ganz am Anfang. Da ich sie nur nebenher betreibe, ist (noch) nicht wirklich professionell. Aber es war mir wichtiger mal anzufangen. Ein Jahresrückblick hab ich aber tatsächlich schon mal geschrieben. Der Rest kommt dann.

        1. na, eine richtige Seite gibt es derzeit bei mir ja auch noch nicht. Und wie du sagst: Manchmal ist es wichtiger, einfach anzufangen. So, wie bei mir auch… ich fange ja ebenfalls mit einem Jahresrückblick und einem Freebie an.

  3. Richtig toll Kerstin, schön zu lesen uns klasse aufgebaut. Ein richtig roter Faden! So was gibt es bei mir nicht.
    Ich gratuliere dir zu Kerstin 2.0. Sei stolz auf dich! Ich freue mich riesig für dich, dass nun alles in die richtige Richtung läuft, du deinen alten Ballast losgeworden bist und zu dir selbst gefunden hast. Daumen hoch.

      1. Oh, wie schön diese Rückmeldung von dir zu lesen, lieber Ex-Nachbar! ☺️ Allein dafür ist es ja schon toll, den Artikel nicht nur geschrieben, sondern auch veröffentlicht zu haben… bei so wunderbarem Feedback von Menschen, die ich teilweise schon sehr sehr lange… oder eben gar nicht kenne. 🤩

  4. Liebe Kerstin,
    wir kennen uns aus deiner Zeit in Frankfurt und ich habe deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen.
    Ich gratuliere dir zu deinem Mut etwas Neues zu machen und wünsche dir viel Erfolg!

    1. Oh, wie schön diese Rückmeldung von dir zu lesen, lieber Ex-Nachbar! ☺️ Allein dafür ist es ja schon toll, den Artikel nicht nur geschrieben, sondern auch veröffentlicht zu haben… bei so wunderbarem Feedback von Menschen, die ich teilweise schon sehr sehr lange… oder eben gar nicht kenne. 🤩

  5. Was für ein fulminanter Blog-Start, liebe Kerstin! Ich finde es ganz wunderbar, deinen Weg und deine Transformation mit zu verfolgen. Glückwunsch zu deinen Artikel, deinem 2020 und der Kerstin 2.0!
    Ganz liebe Grüße von der Ostsee 🌊

    1. Aaaah, Maria, wie schön! Ich danke dir für deine Worte. 🙏🏻💖Du bist mir auf dem Weg ein Stück voraus und das ist eine Inspiration für mich – zu sehen, was alles möglich ist, auch in verhältnismäßig kurzer Zeit. Ich bin jetzt schon gespannt, was ich in einem Jahr schreiben – und vorher unter anderem mit dir und den anderen tollen SOMBA-Weggefährtinnen erleben – werde. ☺️🥳

  6. Danke für diesen tollen Jahresrückblick 😍.

    Mit jedem Wort konnte ich Dich! „sehen“. Danke, dass du dich gezeigt hast. In einer Welt, in der alles so schnell geht, manchmal so oberflächlich wird. Hast du hier für mich mein Herz gewärmt. Ich bin so glücklich für dich, auch wenn ich dich nicht kenne. Ich bin überzeugt, du wirst einen tollen Weg gehen. Alles Liebe für dich und deinen Sohn! Herzlichst, Carolin

    PS: ich habe den Jahrestückblick „geparkt“. Aber ich arbeite dran. Ich musste Prios setzen 😉.

    1. Liebe Carolin,
      ich danke dir für deine Worte, sie berühren mich tief! 🙏🏻 Es ist nach diesem Ritt durch das Jahr ein wunderschönes Gefühl für mich, zu erleben, wie positiv nicht nur mein Weg wahrgenommen, sondern auch meine Offenheit aufgenommen wird. Und es gibt mir tatsächlich Auftrieb und noch mehr Glauben an mich, dass ich den richtigen Weg gehe.
      Dir auch alles Liebe und gib gerne laut, wenn dein Jahresrückblick fertig ist!

  7. Simonetta Zillhardt

    Liebe Kerstin,
    wie gerne erinnere ich mich an Deinen SOMBA-Online-Kurs im Sommer! Und jetzt Deine Erlebnisse des Jahres zu lesen macht mir selbst Mut, weil ich diese Angst so sehr kenne und ich freue mich riesig für Dich und auf das was noch für Dich auf Deinem Weg liegt! Du darfst wirklich stolz auf Dich sein! Prost! 🥂 🌊💃🏻🌟
    Ganz liebe Grüße,
    Simonetta

    1. Liebe Simonetta, wie schön von dir zu lesen! Es hat sich so richtig angefühlt, in diesem Jahr endlich mutig zu sein und der Zuspruch von außen ist noch einmal eine ganz wunderbare Bestätigung. Alles Liebe für dich erstmal! 🙏🏻🥂

  8. Liebe Kerstin,
    herzliche Gratulation zu deiner Transformation zu Kerstin 2.0 und deinem abwechslungsreichen Blogartikel dazu.
    Von Herzen wünsche ich dir viel Erfolg bei deinen weiteren kreativen, inspirierenden Gedanken und deren Umsetzung.
    Alles Liebe
    Sabine

  9. Liebe Kerstin, deinen Jahresrückblick habe ich zum Frühstück verschlungen! Toller Stil, schreib weiter und fotografiere genau so, wie du es beschreibst, ich werde dir weiter folgen. Und für 2021 wünsche ich dir, dass dein Business durch die Decke geht 😊
    Viele Grüße von deiner Jahresrückblog-Kollegin Sylvia

    1. Liebe Sylvia, wow, was für schöne Worte – sie berühren mich sehr!! Und geben mir nicht nur noch mehr Bestätigung dafür, dass ich viele wichtige und richtige Schritte gegangen bin in diesem Jahr, sondern auch, das es eine richtige Entscheidung war, mich in diesem Jahresrückblick auch “Fremden” gegenüber so zu öffnen. Danke dafür, mir dies mit deinen Worten noch einmal zu bestätigen. Für den Moment wünsche ich dir einfach einen guten Rutsch ins neue Jahr und sage: Bis 2021!

  10. Pingback: 2020 Year in Review Roundup From SOMBA and Mastermind Members - SIGRUN

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